
from vienna to istanbul
Das Freiburger Jazzfestival hat von Anfang an sein Augenmerk auf jenen europäischen
Jazz gelenkt, der seine Inspiration in den eigenen musikalischen Wurzeln gefunden
hat. „european concepts of folklore in jazz“ könnte der Untertitel
des Festivals lauten. Mit den vielfarbigen Kulturen des Balkans wird diese
Idee mehr denn je eingelöst. Auf der Strecke zwischen Wien und Istanbul
ist in den letzten Jahren eine bis dahin in der Musikwelt weitgehend unbekannte
Szene zum Vorschein gekommen, die durch eine in Europa einmalige Verbundenheit
mit ihrer Volksmusik besticht.
Der Balkan ist vor allem „Gipsy“ und so wundert es nicht, dass
nahezu alle Gruppen, die beim diesjährigen Jazzfestival auftreten, aus
diesem Fundus prägender Musikerfahrung schöpfen. Vornehmlich
die Blasmusik aus Serbien und Rumänien mit ihren schnellen Rhythmen hat
das musikalische Bild der Länder zwischen Adria und Schwarzem Meer geprägt.
Dass es noch ganz andere Ansätze gibt und vor allem auch der Jazz und
die improvisierte Musik in dieser Region ein Thema sind, das will das diesjährige
Festival mit einzelnen Konzerten unter Beweis stellen. Spitzenensembles wie
das Black Sea Trio und die einzigartige Tamara Obrovac aus Istrien werden
zunehmend vom westlichen Musikgeschehen wahr-genommen. Im E-Werk stellen sie
sich am Samstag vor.
Mit der Verlegung des Festivals auf das letzte Ferienwochenende und die Senkung
der Eintrittspreise rechnen wir mit noch mehr Publikum und hoffen so finanzielles
Terrain wieder gut zu machen. Die beiden Konzertabende auf dem Augustinerplatz
sind jetzt eintrittspflichtig, das begeisterte Publikum wird es uns nachsehen,
angesichts der moderaten Eintrittspreise und eines Programms, das auf einen
der schönsten Plätze Freiburgs und ein begeisterungsfähiges
Festivalpublikum zugeschnitten ist. Am Donnerstag gibt es dort eine spannende
Begegnung von Cécile Verny mit der so herrlich swingenden „Queen
of Romany“ Vera Bila
und ihrer Begleitgruppe Kale. Gut denkbar, dass die beiden auch zusammen auftreten;
lassen wir uns überraschen. Am Freitag wird das legendäre Boban
Markovic Orkestar und die rein akustisch spielende Earth Wheel Sky Band für
Musik garantieren, die unter die Haut geht.
Beginnen wird das Festival jetzt zum zweiten Mal mit dem „Minigipfel“ im Stühlinger, der aus dem Stand heraus ein riesiger Erfolg war und vielen Freiburger JazzmusikerInnen eine Bühne bietet. Dass am Dienstag DJ Shantels Bucovina Club im Waldsee mit Äl Jawala auftritt, ehrt die Freiburger Gruppe, aber auch den Veranstalter. Kein Geheimtip mehr sind die nachmittäglichen Soli im Colombi Schlössle und jetzt erstmals auch im Pianohaus Lepthien. Zum Abschluss schließlich werden im Jazzhaus junge Ensembles wie die süditalienische Municipale Balcanica und die Ungarische Gruppe BeshodroM noch einmal richtig aufdrehen und für ein furioses Finale sorgen.
Die Freiburger Jazzveranstalter und das Kulturamt freuen sich in diesem Jahr
besonders, Ihnen dieses Programm vorstellen zu können, denn lange war
es fraglich, ob es überhaupt wieder einen Gipfel du Jazz geben wird.
An dieser Stelle deshalb unser aller Dank an den Freiburger Gemeinderat, der
sich für eine Fortführung des Jazzfestivals entschieden hat. Dank
auch unseren Sponsoren: Sparkasse, Der Sonntag und besonders der Brauerei
Fürstenberg für die großzügige Unterstützung der
letzten Jahre.
Kulturamt, Jazzhaus, ZMF, Waldsee,
E-Werk, Deutsches Volksliedarchiv
Für Interessierte: Hier geht's zu den Seiten des Gipfels 2004.